Cartas do Frei Luiz




An den Herrn Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva
An den Herrn Minister für Nationale Integration Geddel Vieira Filho


Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrter Herr Minister,

Mit großem Interesse verfolge ich die Pläne der brasilianischen Regierung für den Rio São Francisco, sowohl das Projekt der Flussumleitung als auch das Programm der Revitalisierung.

Hochachtungsvoll wenden wir uns an Sie, um unserer Besorgnis über die vorhersehbaren sozialen Folgen und Umweltauswirkungen des Flussumleitungsprojktes Ausdruck zu verleihen.

Mir ist die geschichtliche, kulturelle, soziale, wirtschaftliche und ökologische Bedeutung des „Flusses der nationalen Integration“ bekannt. Außerdem bin ich über die Problematik dieses Flusses informiert, vor allem über die Abholzung der Flussufer, Versandung, die Kontaminierung durch Abwässer und Spritzmittel, die Staudämme und die ungebremste Expansion des Agrobusiness in der Cerrado-Region und in der Caatinga-Dornbuschsavanne. Der derzeitige Zustand des Wasserstandes im Sobradinho Stausee von nur 14% seiner Wasserkapazität ist ein deutliches Zeichen für diese Degradierung.

Aufgrund des bereits stark degradierten Zustandes des Rio São Francisco ist jeder weitere Nutzungsdruck beängstigend, denn in vielen Aspekten ist die derzeitige Situation bereits sehr konfliktreich.

Seit dem 27 November 2007 hat Dom Luiz Cappio, Bischof der Diözese von Barra (Bahia) sein Fasten und Beten wieder aufgenommen, als Zeichen des Protestes gegen das autoritäre Vorgehen mit dem die Regierung bei der Durchsetzung des Projektes der Flussumleitung ohne jede demokratische Auseinandersetzung über die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens.

In seinem Brief an den Präsidenten, erinnert Dom Luiz daran, dass sich Lula nicht an seine Abmachungen vom Oktober 2005 gehalten hat. Damals unterbrach Dom Luiz sein elftägiges Fasten, nachdem der Präsident Lula versprochen hatte, das Projekt der Umleitung des Rio São Francisco auszusetzen und einen umfassenden Dialogprozess zwischen der Regierung und der brasilianischen Zivilgesellschaft zu beginnen

Mit der Flussumleitung des Rio São Francisco wird man es nicht erreichen, 12 Millionen Menschen mit Wasser zu versorgen, wie die Propaganda vorgibt. Im Gegenteil, das Projekt ist darauf ausgerichtet, um die Produktion von Tropenfrüchten, Etanol, Stahl und Garnelenzucht zu fördern, vor allem für den internationalen Weltmarkt. Davon werden nur wenige Firmen profitieren.

In der semiaride Region gibt es eine große Vielfalt an Wasserressourcen für den Trinkwasserbedarf und die nachhaltige Nutzung. Um der Bevölkerung des semiariden Gebietes zu helfen, gibt es bessere und billigere Alternativen, wie zum Beispiel die 530 Maßnahmen, die im Atlas des Nordostens von der Nationalen Wasserbehörde (ANA) vorgeschlagen werden. Diese würden 1.300 Gemeinden mit Trinkwasser versorgen, zu der Hälfte der Kosten der Flussumleitung (R$ 3,6 Mrd. statt dos R$ 6,6 Mrd.). Für die ländlichen Regionen gibt es Alternativen durch Regenwassernutzung in Kombination mit angepassten Nutzungsformen, entwickelt vom Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen der semiariden Region (ASA).

Unter diesen Umständen muss das geplante Projekt der Ableitung genau hinterfragt und mit Besonnenheit analysiert werden. Vor allem, da es sich um ein Projekt mit zahlreichen Unrechtmäßigkeiten handelt, gegen die rechtlich Einspruch erhoben wird und die noch auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes warten.

               Deshalb bitten die unterzeichnenden Personen und Organisationen, dass die derzeit vom brasilianischen Militär durchgeführten Bauarbeiten der Flussumleitung eingestellt werden. Ich bitte inständig darum, dass der Hilferuf der Bewohner des São Francisco Tals, die das Fasten und Beten von Bischof Cappio begleiten, gehört wird.mit besten Grüßen

 


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